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alt und geklaut

Demnach also besitze ich ein Wettkampf-Boliden, dessen Hauptaufgabe das An-Der-Wand-Hängen und Fragenevozieren bei neugierigen Besuchern ist - gefahren ist es erst wenige Kilometer, viel zu wertig für häufigeren Gebrauch. Hinzu kommt ein Trainingsprügel, der auch bei hochsommerlichen Temperaturen zwischen die Bügel der Indoor-Rolle geklemmt ist, weil ich weit lieber 40km im heimischen Wohnzimmer respektive im Wohnzimmer der WG der beiden Chaosphysiker Leonard und Sheldon runterstrampel denn auf den als Fahrradwegen deklarierten orthopädischen Erlebnispfaden der Berliner Randbezirke. Und wenn man sich ins Brandenburger Umland begibt, strebt die Zahl der Verkehrsteilnehmer, die aus dem theoretischen Fahrschulunterricht behalten haben, dass man zum Radler anderthalb Meter Abstand zu halten habe, gegen Null.

Vor meiner Triathlonanwandlung war ich ein normaler Mensch mit normalen Bedürfnissen und normalem Bedarf und infolge dessen auch Inhaber eines für den Berliner Adoleszenten normalen Mountainbikes und natürlich sehe ich kleine Veranlassung allein des neuen Hobbies wegen diesen breitbereiften Gefährten auszumustern. Um dessen Mitwohnberechtigung mir und meiner Familie erklärlicher zu machen, wird er hin und wieder für Kurzstreckenausflüge hervorgeholt.
Kurzzeitig besaß ich noch einen vierten Gaul. Mein Großvater hatte aussortiert und das mit militärischer Strenge vorgetragene Angebot, seinen dekadenschweren Diamantesel zu erben, traute ich mich nicht auszuschlagen. Ich rechtfertigte es damit, dass der Ritt auf einem solchem Rad von der sonst ubiquitären Versuchung abhielt, alles was einem an radelndem Volk am Horizont ins Blickfeld gerät, durch grenzenlos steigerbare Anstrengungen über kurz oder lang einzuholen und mit angehaltenem Atem zu überflügeln. So endet stets auch die kürzeste Tour schweißnaß. Mit diesem Rad glaubte ich mich von dieser Neurose befreit, allein die Verifikation blieb mir versagt, man fuhr es zu einem unbekannten C bevor ich ausreichende Stichproben ertreten konnte.
In anderen Städten aber kann Radeln ein Hochgenuss sein, gerade im Norden eröffnen sich Landstriche, in denen man stundenlang auf bestem Belage dahinfliegen und im schönen Plausche zum parallel fliegenden Tretfreund stehen kann, weil keinerlei motorisiertes Gefährt den Einklang stört.

15.7.11 17:04

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